Buchbesprechungen

Bücher, die ich an dieser Stelle bespreche, habe ich selbst gelesen und kann sie als Lektüre empfehlen.

Belletristik

Sachbuch


Schweigeminute

Autor: Siegfried Lenz
Erstausgabe: 2008
Umfang: 128 Seiten
Prädikat: geht unter die Haut!

Im Buchladen unentschlossen nach Lesestoff suchend, nahm mich die erste Seite dieses schmalen Büchleins derart in Beschlag, dass mein Entschluss schnell feststand: kaufen und lesen. Sofort!

Lenz spinnt eine feine Liebesgeschichte zwischen Stella Petersen und Christian, zwischen junger Englischlehrerin und jugendlichem Schüler. Beginnend mit einer Gedenkstunde in der Aula des Gymnasiums erzählt Lenz erstaunlich frisch, niemals kitschig, manchmal ergreifend, die erste Liebe des Jungen, die mit dem Unfalltod Stellas abrupt beendet wird. Die so verschiedenen Welten berühren sich nur zeitweise, aufgrund der unterschiedlichen Alter, Rollen und Familien. Die Geschichte ist glaubwürdig und realistisch. Wunderbar auch das Vokabular des Meeres, des Watts an der Nordsee, wo diese Geschichte spielt.

"Schweigeminute" wurde für mich der Einstieg in das umfangreiche, lesenswerte Werk von Siegfried Lenz.

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Ach Glück

Autor: Monika Maron
Erstausgabe: 2008
Umfang: 218 Seiten
Prädikat: einfach empfehlenswert!

Was tun, wenn die einzige Tochter lange schon aus dem Haus ist? Wenn Ehemann Achim der Welt nur noch den Rücken zukehrt (lesenderweise)? Wenn das Leben keine Überraschungen mehr bereithält? Was tun, wenn man in dieser Tristesse einen ausgesetzten Hund findet, der sich freuen kann, wie man sich selbst lange nicht mehr gefreut hat?

"Ich glaube, er bleibt", antwortet Johanna entschlossen auf Achims Frage, was aus dem Tier jetzt werden soll. Johanna will raus aus der Einöde. Sie sucht Neuanfänge und findet sie: bei dem Hund (der bleibt), bei stundenlangen, nächtlichen Spaziergängen, bei der Bekanntschaft mit einem russischen Galeristen.

Das alles und vieles mehr erfährt der Leser, während Johanna auf einem Flug von Berlin nach Mexiko-City unterwegs ist, wo sie mit einer 90-jährigen russischen Aristokratien verabredet ist, die sie nur aus Briefen kennt. Wenn das kein Mut zu Neuanfängen ist ...

Ein Buch, das Lust macht auf Veränderungen, das Stimmungen und Gefühle treffend beschreibt, das mich an vielen Stellen schmunzeln und manchmal lauthals auflachen ließ.

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Angstblüte

Autor: Martin Walser
Erstausgabe: 2006
Umfang: 477 Seiten
Prädikat: sehr empfehlenswert!

Man hat Walser Altherren-Erotik vorgeworfen, die er in seinem Roman "Angstblüte" ausleben würde. Tatsächlich sind einige "harte Brocken" enthalten, die der Geschichte zeitweise die Würze geben. Karl von Kahn ist eine bemerkenswerte Person mit einer bemerkenswert gut beschriebenen Profession. Er pflegt die Wertpapierdepots seiner alternden Klientel und hat kindliche Freude am Geldvermehren. Einer seiner unvergesslichen Grundsätze lautet: bergauf beschleunigen. Bis er hinters Licht geführt wird, weil man ihn als Sponsor gewinnen will. Eine junge Hübsche wird auf den Fast-Rentner angesetzt, was sein Leben zeitweise ganz schön durcheinanderbringt ...

Während ich gerade durch den Roman blättere, bekomme ich riesige Lust, ihn ein drittes Mal zu lesen.

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Der Sommer nach dem Jahrhundertsommer

Autor: Bodo Kirchhoff
Erstausgabe: 2005
Umfang: 493 Seiten
Prädikat: anspruchsvolle Unterhaltung!

Manche Geschichten in diesem Buch sind unschlagbar. Andere gehen einfach nur unter die Haut. Zwei davon seien beispielhaft genannt.

In "Junge Katzen" geht es um das Altern und Heranwachsen, um Vater und Tochter, um Alt-Achtundsechziger und um Jimi-Hendrix, mit dem Beamer an eine Wand geworfen, 30 Jahre nach Woodstock. Während die Alten ausgelassen tanzen, trifft der Gastgeber im Hausflur auf seine pupertierende Tochter. Und sie scheinen einander wirklich zu verstehen, einen Moment lang wenigstens, während in den Armen des Mädchens ein schwächliches Kätzchen verstirbt …

In "Überleben" treffen unterschiedlichste Charaktere mitten auf dem Gardasee aufeinander. Was als friedliche Ausfahrt begann, endet in wüsten Beschimpfungen als das Boot zu sinken beginnt. Hilfe ist aber nicht in Sicht. Diese selbstverschuldete, aussichtslose Lage bringt so manche Wahrheit ans Tageslicht ...

Kirchhoff schafft es in rasantem Tempo auf literarisch hohem Niveau unterhaltsam, anspruchsvoll und zeitweise sehr witzig zu erzählen.

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Saturday

Autor: Ian McEvan
Erstausgabe: 2005
Umfang: 387 Seiten
Prädikat: lesenswert und unterhaltsam!

Henry Perowne ist Familienvater, Neurochirurg und ein ganz gewöhnlicher Mensch. Ein Typ wie du und ich. Der Leser hängt ihm einen Samstag lang an den Fersen. Er erfährt von seiner Schlaflosigkeit und von Gesprächen mit dem heimkehrenden Sohn mitten in der Nacht, vom Squash-Spiel am Morgen mit einem Kollegen und von einem plötzlichen Gewalteinbruch in dieses scheinbar perfekte Familienleben. Pikant an der Story ist, dass der die ganze Familie terrorisierende Täter am Ende des Tages auf dem OP-Tisch des Neurochirurgen liegt ...

Ian McEwan zeichnet sich durch seine realitätsnahe Erzählweise aus. Der Stoff und die Figuren sind eingängig und überzeugend beschrieben. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen.

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Buddenbrooks

Autor: Thomas Mann
Erstausgabe: 1903
Umfang: 758 Seiten
Prädikat: großartiger historischer Roman!

Ein beeindruckender Roman über eine Patrizierfamilie im Lübeck des 19. Jahrhunderts. Über vier Generationen hinweg erlebt der Leser den langsamen gesellschaftlichen Abstieg der Familie und den Verfall ihres Vermögens (immerhin mehrere 100.000 Courantmark). Auch der eingängige Grundsatz des Firmengründers Johann Buddenbrook kann daran nicht viel ändern: "Sei mit Lust bei den Geschäften am Tag, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können."

Beeindruckt haben mich Thomas Manns Beschreibungen von Zusammenkünften und Auseinandersetzungen im Kaminzimmer in der Mengstraße, vom Volksaufstand vor der Lübecker Bürgerschaft, vom langsamen Sterben der alten Konsulin samt Trauerfeierlichkeiten, von der Wahl des Firmenchefs zum Senator und von der Naivität Tony Buddenbrooks, welche sie bis ins hohe Alter erfolgreich beibehält.

Meisterhaft auch die unterschiedlichen Dialekte (plattdeutsch und bayerisch) und Sprachen (französisch), die in dem Buch anklingen, aber allesamt erahnt bzw. aus dem Zusammenhang erschlossen werden können.

Buddenbrooks ist der richtige Roman für lange Winterabende, wo man mit einer Decke über den Beinen vor einem knisternden Kaminfeuer sitzen will, um sich in längst vergessene Zeiten zurückzudenken ...

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Marion Dönhoff

Autor: Alice Schwarzer
Erstausgabe: 1996
Umfang: 359 Seiten
Prädikat: einfach lesenswert!

Dass Alice Schwarzer nicht nur intelligent reden, sondern auch unterhaltsam und informativ schreiben kann, beweist sie unter anderem mit dieser Biografie. Beschrieben wird das vielseitige, verlustgeprägte aber auch erfolgreiche Leben der Marion "Gräfin" Dönhoff. Ihre Kindheit in Ostpreussen auf Schloss Friedrichstein, die Vertreibung am Ende des WK II und der Einstieg sowie ihre Rolle als jahrzehntelange Mit-Herausgeberin der "Zeit". Am Anfang erfahren wir, wie Alice Schwarzer zu ihrem Auftrag kam und welche Bedenken sie hatte. Ein Interview und diverse Artikel von Marion Dönhoff runden das Werk ab und ließen mich die politische Dimension dieser großen Frau erst recht verstehen.

Die Biografie ist eine gelungene Mischung aus Fakten, Fotografien und Beiträgen der "Gräfen". Wer die Problematik der Vertreibung aus Ostpreussen an einem prominenten Beispiel studieren und annähernd begreifen will, der greife zu diesem herausragenden Sachbuch.

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Wir Klimaretter. So ist die Wende noch zu schaffen.

Autor: Toralf Staud, Nick Reimer
Erstausgabe: 2008
Umfang: 316 Seiten
Prädikat: ein absolutes Muss!

Ein Buch, das ich jedem empfehlen muss. Dass wir bereits mitten im Klimawandel stecken und dass dieser hausgemacht ist, wird gar nicht erst in Frage gestellt. Auf verständliche Art wird in Teil1 des Buches in die Klima-Problematik eingeführt. Versprechungen, große Worte und Unterlassungen unserer Politiker werden konkret aufgezeigt. Aber "Wir Klimaretter" hat hauptsächlich konstruktiven Charakter. Im umfangreicheren Teil2 des Buches werden Lösungen vorgestellt und zeitliche Ziele gesetzt. Wichtig zu wissen: jeder kann etwas unternehmen, am besten gleich heute. Weniger Fleisch, grüner Strom, sparsame Autos, nie mehr Fliegen, es gibt eine Menge zu tun, wenn wir es wirklich ernst meinen …

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Deutsch!

Autor: Wolf Schneider
Erstausgabe: 2005
Umfang: 297 Seiten
Prädikat: ausgezeichnetes Lehrbuch für bestes Deutsch!

C u later, rofl, megaknuddel und handgeb. Wer kennt sie nicht, die verhunzte Sprache, das Faul-Deutsch der neuen Medien und ihrer Nutzer. Doch dieser Trend birgt auch die Chance, sich hervorzuheben. Mit ansprechend und prägnant formulierten Texten. Es liegt in der Hand des Schreibers, ob sein Werk verschlungen oder nach wenigen Sätzen bei Seite gelegt wird.

Wolf Schneider bietet in seinem Buch 44 Rezepte für bestes Deutsch, die man in einer ruhigen Stunde verinnerlichen sollte. Nicht nur Berufsschreiber, alle Sprachinteressierten kommen hier auf ihre Kosten.

Mich hat das Buch gelehrt, dass es nicht nur am Leser liegt, wenn ein Text nicht verstanden wird. Vor ausschweifenden, umständlichen Formulierungen fehlt mir seitdem jeder Respekt. Meine wenige freie Zeit möchte ich nur noch in gute Bücher investieren. Wolf Schneiders Werk gehört selbstverständlich dazu.

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